Katzen-Erziehung

Über kein anderes Haustier wissen wir – rein wissenschaftlich gesehen – so wenig, wie über unsere Katzen. Sie gelten als eigenständig und eigensinnig, unbelehrbar, ja sogar unberechenbar. Manch einer hat schon verzweifelt versucht, seiner Katze das Krallenwetzen an seinen Möbeln abzugewöhnen - ohne oder mit nur mäßigem Erfolg. Ganz zu schweigen vom Klettern an Vorhängen, Ausgraben von Pflanzen, dem täglichen Wecken in aller Frühe - ohne Rücksicht auf Sonn- und Feiertage oder dem Herumstrolchen auf der Küchenarbeitsplatte.

Der Mensch, der mit Katzen in einer Lebensgemeinschaft lebt, hat sich daran gewöhnt, weil er der Überzeugung ist, dass man Katzen eben nicht erziehen kann.

Und wissen Sie was: mich persönlich bringt es bestenfalls zum Schmunzeln, wenn wir uns das nächste mal bei Ikea treffen, weil Sie dort gerade die dritte Couchgarnitur in zwei Jahren kaufen. Mir persönlich ist es auch recht, wenn Sie Ihre Pflanzen abschaffen müssen, weil Sie es einfach leid sind, jeden Tag die Erde um die Töpfe wieder aufzusaugen. Und es stört mich nicht im geringsten, wenn Sie jeden Morgen um sechs geweckt werden, denn ich kann ja ausschlafen. Und Ihre Katze stört das alles noch viel weniger.

Das Schönste ist immer noch, dass Sie es nach wie vor auch noch als ein Privileg an- sehen, Ihrer Katze alles verzeihen zu dürfen.

Wenn Sie also völlig zufrieden mit Ihrem gemeinsamen Leben sind, dürfen Sie diese Seite getrost überschlagen.

 

Wenn Sie allerdings auf die Idee kommen, Ihre Katze mal aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten, Ihre Bindung zu vertiefen, Ihr Chaos nicht mehr klaglos hinzunehmen und Ihr zu Hause in ein echtes Katzenparadies zu verwandeln, dann sind Sie hier genau richtig!

Katzen sind durchaus lernfähige und lernwillige Tiere!

... und es ist gar nicht so schwer, wie Sie vielleicht denken.

Einmal abgesehen von den diversen kleinen Alltagsmarotten, die Sie Ihrer Katze vielleicht gerne abgewöhnen würden, sind Katzen häufig schlichtweg unterfordert, nur weil wir immer glauben, wir können den Herrschaften nichts beibringen. Sie werden faul und träge und nicht selten dadurch auch zu füllig - vor allem dann, wenn sie keinen Freigang haben. 

Sie leben mehr oder weniger neben uns her und gelten schnell als Einzelgänger, die sie nur in den seltensten Fällen tatsächlich auch sind. In aller Regel hören sie nach fünf bis sechs Lebensjahren sogar auf zu spielen - und das ist in der Tat schon ein Alarmzeichen.

Sie sind in der Lage, einer Katze sehr viel mehr zu geben als Futter, ein warmes Plätzchen und Streicheleinheiten. Und Sie sind in der Lage auch sehr viel mehr zurück zu bekommen.

Die Schritte

Die häusliche Umgebung

Da Katzen eher territorial fixiert als menschenbezogen sind, ist es unumgänglich, das Katzenheim einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht haben Sie einen teuren Kratzbaum dort stehen und möchten einfach einmal wissen, warum Ihre Katze den eigentlich gar nicht benutzt. Der Handel gaukelt uns alle möglichen Katzenträume vor, die wahrscheinlich nur wenige Katzen träumen. Sie sind vielleicht bislang überzeugt, dass Sie Ihrer Katze jeden Wunsch erfüllt haben - aber sind es wirklich die Wünsche einer Katze oder nur unsere Vorstellung davon?

Jede gute „Zusammenarbeit“ mit einer Katze hängt entscheidend davon ab, ob sie sich in ihrer Umgebung sicher und wohl fühlt.

Das Toleranzprinzip

Katzen funktionieren nach einem völlig anderen Prinzip als Hunde. Während Hunde nach dem Kooperationsprinzip handeln - sie sind also stets bemüht, mit den Mitgliedern der Gruppe, in der sie leben zu kooperieren - leben Katzen nach dem Toleranzprinzip. Das bedeutet, dass sie eine Situation oder auch jemanden in ihrer Umgebung tolerieren oder eben nicht.

In diesem Schritt lernen Sie, wie sie die Toleranzen Ihrer Katze erkennen und verändern können. Das schafft z.B. die Möglichkeit, dass die Katze den Kratzbaum irgendwann dem Sofa vorzieht, um ihre Krallen zu wetzen.

Das gute Gespräch

Möchten Sie wissen, was Ihnen Ihre Katze mitteilt, wenn sie auf Ihren Schoß springt und Ihnen immer wieder ihr Hinterteil zudreht, bevor sie sich endlich ablegt?

Haben Sie sich mal gefragt, warum Ihre Katze lieber aus Blumenuntersetzern, Giesskannen, tropfenden Wasserhähnen, usw. trinkt als aus ihrer Schüssel?

Möchten Sie lernen, mit Ihrer Katze auf Katzenart zu flirten?

Wer miteinander so kommuniziert, dass der andere ihn auch versteht, der baut wirklich eine Bindung auf. In dieser Phase lernen Sie also, Ihre Katze zu „lesen“ und nicht einfach nur zu raten, was in ihr vor geht.

... den Spass nicht vergessen!

Mal ehrlich: beschäftigen Sie sich lieber mit einem Langweiler oder mit jemandem, mit dem man Spass haben kann? - Und glauben Sie, Ihrer Katze geht es anders?

Das hier hat natürlich nichts mehr mit Erziehung zu tun - aber damit, wie Sie die Bindung zu Ihrer Katze durch lustige Spiele und Beschäftigungen weiter vertiefen können.